Archiv für Januar 2014

fub presents: Don­ners­tag, 30.​ Januar. CHRIS­TOPH KLEIN: Karl Marx’ Ideo­lo­gie­kon­zept – Eine Un­ter­su­chung

Die Rede über Ideo­lo­gie er­scheint ge­gen­wär­tig pa­ra­dox: Ei­ner­seits wird ve­he­ment das Ende aller Ideo­lo­gie pos­tu­liert, gar das nach­i­deo­lo­gi­sche Zeit­al­ter, von den aka­de­mi­schen und po­li­ti­schen Em­po­ren aus­ge­ru­fen. Ideo­lo­gie ver­weist in die­sem Fall auf die Ver­gan­gen­heit, auf etwas, was nicht mehr in un­se­re Zeit passt und was auf die Ide­en­müll­hal­de der Ge­schich­te ge­hört. So vage die Be­deu­tung des Be­griffs dabei auch bleibt, kön­nen doch ei­ni­ge immer wie­der­keh­ren­de Kon­tu­ren, im Lich­te des Ver­wen­dungs­zu­sam­men­hangs iden­ti­fi­ziert wer­den: ideo­lo­gisch sind Sach­ver­hal­te, wenn sie irr­tums­schwan­ger die Rea­li­tät ent­stel­len und die Men­schen so zum Übel ver­füh­ren. An­de­rer­seits ist die An­kla­ge ideo­lo­gisch zu spre­chen auch heute weder sel­ten noch wir­kungs­los. Sie kann als dis­kur­si­ve Pra­xis das Richt­schwert sein über Wahr­heit und Täu­schung; kann die Gren­ze set­zen zwi­schen Ge­mein­wil­len und Dem­ago­gie und dar­über den Geg­ner ins Ab­seits stel­len. Der häu­fi­ge Ge­brauch des für ob­so­let er­klär­ten Be­griffs wirkt je­doch alles an­de­re als ent­kräf­ti­gend. Blickt man ge­nau­er hin, wird deut­lich, dass die­ser Wi­der­spruch tat­säch­lich das Funk­ti­ons­prin­zip der An­kla­ge ist. So nährt sich der Ver­dacht, die sich ideo­lo­gie­frei wäh­nen­de Rede könne selbst jenen ver­gan­gen ge­glaub­ten Irr­tü­mern, also der Ideo­lo­gie auf­lie­gen, dass das Zeit­al­ter der Ideo­lo­gi­en noch lange nicht vor­bei sein. Dies gibt An­lass, zu­rück zu gehen und den Be­griff bei einem der wohl wir­kungs­mäch­tigs­ten Per­so­nen zu un­ter­su­chen, die ihn mit­ge­prägt haben: Karl Marx. Der Vor­trag be­zweckt Mar­xens Ideo­lo­gie­kon­zept zu ex­pli­zie­ren, dabei even­tu­el­le Pro­ble­me of­fen­zu­le­gen und in den Ge­samt­zu­sam­men­hang sei­ner Ge­sell­schafts­theo­rie ein­zu­ord­nen.

Chris­toph Klein ›stu­diert‹ ak­tu­ell in Bam­berg So­zio­lo­gie, po­li­ti­sche Theo­rie sowie (lei­der viel zu wenig) Phi­lo­so­phie. Zu­letzt hat er in der frei­en uni über das Thema »Was ist ei­gent­lich so ›kri­tisch‹ an der Kri­ti­schen Theo­rie?« ge­spro­chen.

Ort: Bal­tha­sar, Bal­tha­s­ar­gäss­chen 1 (zwi­schen Schran­ne und Kaul­berg)
Be­ginn: 20:00
Ein­tritt: frei

fub presents: Donnerstag 23. Januar. FRANK SCHELLENBERG: Universalismus und Partikularismus im (Ge)denken an die Schoa

Eine Frage, an der sich viele Debatten über die Deutung der nationalsozialistischen Massenvernichtung der europäischen Juden entzünden, betrifft die Gewichtung der universalistischen und der partikularistischen Perspektive. Selbige, antagonistisch anmutenden Deutungsmuster schlagen sich bereits in den unterschiedlichen Begriffen nieder und spielen eine entscheidende Rolle für Fragen der Repräsentation und des Gedenkens sowie möglicher Implikationen und ›Lehren‹. Dass sich die beiden Perspektiven jedoch keineswegs ausschließen, dass sie vielmehr zusammengedacht werden müssen, zeigte bereits Adorno und wird auch heute kaum ernsthaft bestritten. Dennoch gibt es in den Diskursen der verschiedenen Gruppen, Länder und Regionen klare Unterschiede in der Gewichtung.
Im Vortrag sollen zunächst die beiden Deutungsmuster und ihre Implikationen einführend dargestellt werden. Anschließend soll kurz auf die Bedeutung der Gedächtnisikone Auschwitz für die Herausbildung einer deutschen und israelischen wie auch einer europäischen oder westlichen Identität eingegangen werden. Am Ende soll die Frage stehen, inwieweit die partikularistische Perspektive und die Elemente kollektiver Gedächtnisse den Anschluss außereuropäischer Gesellschaften an diese Erinnerungskultur behindern und andererseits inwieweit der Universalisierung des Gedenkens bereits die Gefahr seiner Aushöhlung und der Relativierung des Verbrechens immanent ist.

Frank Schellenberg hat in Bamberg studiert und in der freien uni zuletzt über essentialistische Religionskritik und über die arabische Perzeption des Nationalsozialismus gesprochen.

fub presents: Zwei „Raum“ füllende Abende (haha). Mi 15. und Do 16. Januar. Günzel und Dudek

Mitt­woch, 15.​01.
STE­PHAN GÜN­ZEL:
Hei­mat? – Raum!

Aus­ge­hend von der Frage nach dem ak­tu­el­len In­ter­es­se für den As­pekt Raum in den ver­schie­dens­ten Ge­bie­ten der Kul­tur und Wis­sens­pro­duk­ti­on geht der Vor­trag auf die An­fän­ge des so­ge­nann­ten Spa­ti­al Turn ein und be­leuch­tet im Nä­he­ren kri­tisch die orts­be­zo­ge­nen Kon­zep­tio­nen einer Phi­lo­so­phie der Hei­mat, die sich zu­meist gegen die Ka­te­go­rie des Rau­mes aus­spre­chen.

Dr. Ste­phan Gün­zel ist Pro­fes­sor für Me­dien­theo­rie an der Ber­li­ner Tech­ni­schen Kunst­hoch­schu­le (btk) und Gast­do­zent für Phi­lo­so­phie an der Uni­ver­si­tät Kla­gen­furt; bis 2011 war er Ko­or­di­na­tor des Zen­trums für Com­pu­ter­spiel­for­schung an der Uni­ver­si­tät Pots­dam. Neu­es­te Er­schei­nun­gen sind u. a.: Egoshoo­ter. Das Raum­bild des Com­pu­ter­spiels (2012) und Raum/Bild. Zur Logik des Me­dia­len (2012). Zu­letzt hat Ste­phan Gün­zel in der frei­en uni über das Thema »Post­struk­tu­ra­lis­mus und Kri­ti­sche Theo­rie« ge­spro­chen.

Ort: Bal­tha­sar, Bal­tha­s­ar­gäss­chen 1 (zwi­schen Schran­ne und Kaul­berg)
Be­ginn: 20:00
Ein­tritt: frei

Don­ners­tag, 16.​01.
SIMON DUDEK:
Ever­y­thing you al­ways wan­ted to know about space & place but were af­raid to ask … Raumideo­lo­gi­en im 20. Jahr­hun­dert
Der Be­griff des Raums ist ein wie­der­keh­ren­des Motiv in allen denk­ba­ren aka­de­mi­schen Dis­zi­pli­nen. Die ent­spre­chen­den Raum­kon­zep­te un­ter­lie­gen indes einem ste­ti­gen Wan­del. Vom »Volk ohne Raum« bis zu Sa­mu­el Hun­ting­tons »Kul­tur­krei­sen« ist es die Wis­sen­schaft, die als Ideo­lo­gie­lie­fe­rant für die Raum­vor­stel­lun­gen in Ge­sell­schaft und Po­li­tik fun­giert. Gleich­zei­tig ent­wi­ckeln sich auch ab­seits des wis­sen­schaft­li­chen Fel­des Raum­se­man­ti­ken, die his­to­risch von »Him­mel und Hölle« über die Raum­de­ckung im mo­der­nen Fuß­ball bis zur Rede von den »fau­len Süd­län­dern« in der ak­tu­el­len Wäh­rungs­kri­se rei­chen. Doch wel­cher Raum ist je­weils ge­meint? Wel­che At­tri­bu­te wer­den ihm zu­ge­schrie­ben? Und wann hört die Dis­kus­si­on um den Raum auf, un­ter­kom­plex zu sein?
Der Vor­trag bie­tet einen Über­blick über die gro­ßen Pa­ra­dig­men­wech­sel der Raum­kon­zep­te und zeigt an­hand il­lus­trer Bei­spie­le die Ge­fahr wis­sen­schaft­li­cher Be­griffs­de­fi­ni­tio­nen auf.

Simon Dudek hat zum Zeit­punkt des Vor­trags (hof­fent­lich) sei­nen Uni­ver­si­täts­ab­schluss. In der frei­en uni hat er zu­letzt über po­li­ti­sche Phi­lo­so­phie in der Fern­seh­se­rie South Park ge­spro­chen.

Ort: Bal­tha­sar, Bal­tha­s­ar­gäss­chen 1 (zwi­schen Schran­ne und Kaul­berg)
Be­ginn: 20:00
Ein­tritt: frei

fub presents: Don­ners­tag, 09.​01. ELMAR RIE­GER: Über China. An­mer­kun­gen der So­zio­lo­gie

Wel­che Ge­sichts­punk­te hat die So­zio­lo­gie, um den Auf­stieg Chi­nas in der Welt­wirt­schaft, der Welt­po­li­tik und der Welt­ge­sell­schaft ver­ständ­lich zu ma­chen? Wel­che Leis­tungs­fä­hig­keit hat die Kom­pa­ra­ti­ve Ma­kro­so­zio­lo­gie, wenn es um ein tie­fe­res Ver­ständ­nis der be­son­de­ren ge­sell­schafts­po­li­ti­schen Kon­stel­la­ti­on des post­re­vo­lu­tio­nä­ren Chi­nas geht: die au­ßen­wirt­schaft­li­che Öff­nung und die Ein­füh­rung von Markt­wirt­schaft und Ka­pi­ta­lis­mus unter den po­li­ti­schen Be­din­gun­gen eines Herr­schafts­mo­no­pols der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei?

Elmar Rie­ger ist Pro­fes­sor für So­zio­lo­gie an der Ot­to-​Fried­rich-​Uni­ver­si­tät Bam­berg. Zu­letzt hat Elmar Rie­ger in der frei­en uni über das Thema »Bil­dungs­be­griff und Bil­dungs­po­li­tik. Ein­las­sun­gen zur Hoch­schul­po­li­tik« ge­spro­chen.

Ort: Bal­tha­sar, Bal­tha­s­ar­gäss­chen 1 (zwi­schen Schran­ne und Kaul­berg)
Be­ginn: 20:00
Ein­tritt: frei