Archiv für Juni 2011

Donnerstag, 30.06.2011 Tilman Kallenbach: The Moon Asked The Crow. Eine Freakfolk-Hegemonieanalyse

Künstler_innen wie CocoRosie, Joanna Newsom und Sufjan Stevens werden gern unter dem Label »Freakfolk« zusammengefasst. Was sie eint, ist bisweilen schwer zu sagen. Harfe und so genannte »Elfenstimme« hier, ein Haufen von Kinderspielzeug da und nicht selten –zumindest im Spätwerk – ganze Orchester. Geht es dabei wirklich nur um Außenseiter_innentum – und ging es darum in der Popkultur nicht eigentlich schon immer?

Der Vortrag unternimmt den Versuch einer Hegemonieanalyse des »Freakfolk« und will so klären, was dessen Außen bzw. Innen sein könnte – welche Versuche zur Bedeutungsfixierung werden unternommen? Der Vortrag ist nach dem Kulturindustrievortrag im letzten Semester der zweite Versuch des Referierenden, Popkultur zu theoretisieren.

Tilman Kallenbach studiert in Bamberg und hat in der Freien Uni zuletzt über die Serienfigur Buffy gesprochen.

Beginn: 20:00

Eintritt: frei

fub weekly

Leider muss der Vortrag am Donnerstag ausfallen. Wir empfehlen, als Ersatzhandlung in den Morphclub zu Sonny Vincent zu gehen.

Donnerstag, 23.06.2011

PETER WALDMANN: Blank Generation.

Oder: die jüdischen Wurzeln des Punks.

Ort: Balthasar. Balthasargäßchen 1 (zwischen Kaulberg und Schranne)

Beginn: 20:00

Eintritt: frei


Info: s. unten

Das schneidet sich leider mit dem Konzert einer New York-Punk-Ikone im Morphclub: nämlich Sonny Vincent (als Vorband spielen die Heartsfields), aber vielleicht lässt sich das ganze ja uach irgendwie verbinden

Freitag, 24.06.2011

CLAUDE LANZMANN: »Warum Israel?«

(Originaltitel: »Pourquoi Israël«)

Ort: Balthasar. Balthasargäßchen 1 (zwischen Kaulberg und Schranne)

Beginn: 20:00

Eintritt: frei

Info: s. unten

Donnerstag, 23.06.2011

PETER WALDMANN: Blank Generation.

Oder: die jüdischen Wurzeln des Punks.

Eine äußerst präzise Beschreibung, wie man/frau sich die jüdische Identität in der Moderne vorzustellen hat, gibt ein literarisches Bild, das uns in den Tagebüchern von Franz Kafka überliefert wurde. Kafka stellt sich den assimilierten Juden seiner Generation als kleines, unscheinbares Tier vor, das sich gerade im Absprung befindet. Seine Hinterbeine kleben noch an den Ursprüngen, während seine Vorderbeinchen ihr Ziel, festen Boden, auf dem es sich ausruhen lässt, noch nicht gefunden haben. Dieses Bild, das an eine Momentaufnahme erinnert, beschreibt äußerst genau, in welcher Situation sich Juden im 20. Jahrhundert befunden haben. Durch die Assimilation und die Aufklärung sind sie von ihren religiösen Ursprüngen entfremdet. Die Füße des Tieres stehen kaum noch auf dem Boden religiöser Traditionen, die so lange bestimmend gewesen waren. Doch ein neues Fundament ist ebenso wenig in Sicht. Dieses Bild von Kafka, das ein Tier in Bewegung darstellt, wird ein wichtiger Bestandteil im Denken von Deleuze und Guattari. Sie sprechen von einer Existenzform des Tier-Werdens, die das Leben und Handeln von Minderheiten auszeichnet. Minderheiten zeichnen sich, so die beiden Theoretiker, durch stetige Bewegung aus, mit der sie sich die Freiheit von den Fesseln der Mehrheitsgesellschaft erkämpfen. Diese Tradition der Jüdischen Identität, die Kafka mit dem Bild des springenden Tieres darstellt, meint wohl Beeber, wenn er in seiner Einleitung zu dem Buch »The Heebie-Jeebies at CBGB‘S betont«: »Punk is Jewish. Not Judaic«. Es lässt sich nun die These aufstellen, dass Punk eine subkulturelle Strategie des Widerstands ist, die sich aus der jüdischen Herkunft seiner maßgeblichen Protagonist_innen erklären lässt. Diese These möchte der Vortrag verifizieren.

Dr. Peter Waldmann ist Kulturwissenschaftler, Komparatist, Philosoph, Privatdozent und Vorsitzender des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Rheinland Pfalz.

Freitag, 24.06.2011

CLAUDE LANZMANN: »Warum Israel?«

(Originaltitel: »Pourquoi Israël«)

Ein Dokumentarfilm des französisch-jüdischen Regisseurs Claude Lanzmann aus dem Jahr 1973. 25 Jahre nach der Gründung des Staates Israel stellt Lanzmanns Film Gründe für dessen Notwendigkeit vom jüdischen Standpunkt aus dar. Obwohl er die Argumentation aus Sichtweise anderer Religionen und Bevölkerungsgruppen deren Mitgliedern selber überlassen will, soll »Warum Israel?« nicht als einseitiger Propagandafilm verstanden werden. Palästinenser_innen kommen im Film nicht selbst zu Wort. Stattdessen wurden unter anderem Emigrant_innen aus Deutschland, Tzabarim und Sephardim interviewt. Bei den Gesprächspartnern handelt es sich um Menschen verschiedenster Prägung wie Intellektuelle, Polizist_innen, Dockarbeiter_innen oder Gefängnisinsass_innen.