Archiv für Februar 2011

Hinweis.

Wir bitten um gewohnt manische Teilnahme:

Diesen Mittwoch (23.02.) tagt der Stadtrat, um über die Verlängerung der Sperrzeit zu diskutieren. Deswegen unsere Bitte an alle, die nachts gern weiter bis 5.00h weggehen wollen: Erscheint bitte um 15.30h am Schillerplatz (Theater), um den (er-)grau(t)en Damen und Herren zu zeigen, dass es in Bamberg viele Menschen gibt, die entschieden gegen diese Verlängerung sind.
Das scheinen diese Entscheidungsträger nämlich nicht zu wissen. Also, lange Unterhosen angezogen, Thermoskanne eingepackt, weitersagen und erscheinen!

Donnerstag, 17.02. FRANK APUNKT SCHNEIDER Indie-Hände-gespuckt Zur Kritik der Kultur der Unabhängigkeit

Unabhängige Labels – die so genannten »Indies« – spielten eine entscheidende Rolle für die Entwicklung der Popmusik, wie die Entdeckung von Elvis durch Sun Records in Memphis belegt. Im Unterschied zu den so genannten »Majors« waren und sind »Indies« mittelständische Unternehmen, die Nischenmärkte bedienen. Im Zuge der Entstehung einer Popgegenkultur in den späten 1970ern entstand allerdings eine neue Form des »Independentlabels«, das seine Unabhängigkeit und das Prinzip der Selbstorganisation (z.B. der Vertriebsstrukturen) als politisches Statement und als Bestandteil einer ohnehin politisch ausgerichteten Subkultur verstand. Für einen kurzen Moment ließ sich ästhetische Dissidenz mit politischer Kritik in eins setzen. Die Do-It-Yourself-Ästhetik von Punk und Post Punk haben zu einer weltweiten Explosion an »unabhängig« und »alternativ« produzierter Musik beigetragen. In den 1980ern entstand hieraus »Indie« als eigenes Musikgenre und »Unkommerzialität« als (unklar definierter, eher subjektiv gefühlter) Wert. Im Zuge dieser Entwicklung legte sich die »Indie«-Szene jedoch auch eine krypto-bürgerliche Ideologie der »unabhängigen Musik« zu, der Medien als Surrogat des Politischen dienen. Dies hat in fataler Weise zur Entpolitisierung des Popuntergrunds beigetragen und bürgerliche Werte und Tugenden anstelle von (linkem) Bewusstsein gesetzt hat. Warum das verhängnisvoll ist und wie gut »Indie« in die gegenwärtigen (deutschen) Verhältnisse passt, wird der Vortrag erläutern.

Frank Apunkt Schneider ist unfreier Künstler und selbsternannter Poptheoretiker. Er schreibt u. a. für Testcard, monochrom, Skug, Zonic, Bad Alchemy und Intro. Er lebt zurzeit als deutscher Außenposten der Kulturbewegung monochrom (www.monochrom.at) in Bamberg. Im Ventil-Verlag hat er das Buch »Als die Welt noch unterging. Von Punk zu NDW« veröffentlicht.

Zuletzt hat er am 03.12.2009 in der FUB zum Thema »Die Diktatur des ‚man’. Von der Schwierigkeit, in linken deutschen Medien geschlechtsneutral zu sprechen« gesprochen