fub presents: DO, 17.7.: Elena Espinoza: Das Mapuche-»Problem« in Chile. Polizei statt Politik


Seit der Rückkehr der Demokratie 1990 eskalieren die Konflikte zwischen dem chilenischen Staat und den Mapuche aufgrund der »Besetzung« der Araucanía. Die Mapuche stellen eine Reihe ethnischer Forderungen, darunter die nach autonomer Rechtsprechung, nach Rückgabe früherer Gebiete, nach wirtschaftlichen Begünstigungen und der Anerkennung ihrer kulturellen Identität.
Aber wer zum Teufel sind diese Mapuche, und wo liegt noch mal die Araucanía?
Die Araucanía ist eine Region etwa 600 Kilometer südlich von Santiago. Dort haben sich die Mapuche im 5. Jahrhundert angesiedelt. Die Mapuche sind eine indigene Ethnie, die in Chile und Teilen Argentiniens lebt. Im Kampf um Land und Bodenschätze standen sie immer wieder am Rande der Auslöschung, die in Argentinien schon fast vollzogen ist. Obwohl ihre Zahl in Chile inzwischen wieder steigt (auch weil sich immer mehr Menschen zu ihrer Mapuche-Herkunft bekennen), besitzen sie keine politische Repräsentation. Innerhalb des Landes wird dieses Thema weitgehend tabuisiert. Das Wort »Mapuche« wird im chilenischen Alltag häufig auf pejorative Konnotationen reduziert und mit Terrorismus in Verbindung gebracht.
Wer den Konflikt in seiner Gesamtheit verstehen will, muss sich mit der Geschichte Chiles und der Mapuche auseinandersetzen. Zum Glück gibt es einen Vortrag darüber, durch den man/frau sich schlau machen kann.

Hallo! Ich bin die Niko und komme aus Santiago de Chile. Ich studiere Romanistik und Germanistik. Ich leite mit meiner Kollegin Constanza das Spanische Theater der Uni Bamberg. Ich mag Vodka mit Vodka, fette Katzen und den Philipp 1313.

Ort: Balthasar, Balthasargässchen 1 (zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

fub presents:Do 10.7 und Fr.11.7.: BERND KASPAREK & VINCENT GENGNAGEL/ANDREAS KALLERT: Mord im rassitischem Kontinuum & Kleinste anzunehmende terroristische Vereinigung

Donnerstag, 10.07.2014
BERND KASPAREK:
Mord im rassistischen Kontinuum

Im Bezug auf den NSU-Komplex ist vielfach über institutionellen Rassismus diskutiert worden. Er gilt als viel versprechender Ansatz, die eklatanten Ermittlungsfehler der deutschen Strafverfolgungsbehörden zu deuten. Im Vortrag soll hingegen noch einmal auf den Kontext des gesellschaftlichen Rassismus eingegangen werden, der die 2000er Jahre in Deutschland geprägt hat. Der deutsche Rassismus organisierte sich in den 1990ern vor allem um die Frage des Asyls und die Figur des Asylbewerbers bzw. der Asylbewerberin. Mit dem Antritt der rot-grünen Bundesregierung 1998 und ihrem durchaus engagierten migrationspolitischen Reformprogramm verschob sich die rassistische Mobilisierung hin zu Themen der Staatsbürgerschaft und der Einbürgerung. In den 2000er Jahren wurde ein erbitterter Kampf um die Frage ausgefochten, ob Deutschland eine Einwanderungsgesellschaft sei. Diese Auseinandersetzung spiegelt sich auch in den Morden des NSU wieder. Im Gegensatz zu den 90ern, als sich neonazistische Gewalt gegen gesellschaftlich marginalisierte Menschen wendete (z.B. Asylbewerber_innen und Obdachlose), ermordete der NSU Migrant_innen, die längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen waren. Angesichts dieser Verschiebung stellt sich die Frage, wie viel gesellschaftlicher Rassismus in den Taten des NSU steckt.

Bernd Kasparek ist Diplom-Mathematiker und Kulturanthropologe. Er forscht und publiziert zur europäischen Migrations- und Grenzpolitik und ist Mitglied des Vorstands der Forschungsassoziation bordermonitoring.eu und Mitglied des Netzwerks Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung.

Ort: Balthasar, Balthasargässchen 1 (zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

Freitag, 11.07.2014
VINCENT GENGNAGEL/ANDREAS KALLERT:
Kleinste anzunehmende terroristische Vereinigung

Noch immer erscheint es sinnvoll, sich mit der rechtsradikalen Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds zu befassen, während sich die deutsche Presse über staatliche Förderung von Rechtsradikalen empört (wenn auch nur in Russland). Wie erwartet geht die Salamitaktik auf, mit der der NSU behandelt wird: Trotz der noch immer laufenden Verfahren schrumpft die sowieso schon erschreckend kleine kritische Öffentlichkeit weiter – als wäre der Skandal längst vom Tisch. Damit das so bleibt, werden Medienvertreter_innen schon mal im vertraulichen Hintergrundgespräch von der Staatsanwaltschaft auf Linie gebracht: Fragen zum Verhältnis der Polizistin Kiesewetter zu ihren mutmaßlichen Mördern werden als gegenstandlos betrachtet – und der behördenkritischen Nebenklage solle keine weitere mediale Aufmerksamkeit mehr geschenkt werden!
Wir halten es für wichtig, das formale Ziel des NSU-Prozesses im Spannungsverhältnis zwischen Bundesanwaltschaft, Nebenklage, Presse, »Sicherheitsdiensten« und Behörden zu diskutieren: Was kann der Prozess erreichen, was nicht? Warum ist überhaupt nur Zschäpe der Mitgliedschaft im NSU angeklagt?
Wir nehmen das zum Anlass, an eine schon lang eingestellte Ermittlung zu erinnern, deren Wiederaufnahme zuletzt gefordert wurde: Rund um das Oktoberfestattentat von 1980 zeigen sich ähnliche Ungereimtheiten in der Konstruktion der Einzeltäterthese. Und wir fragen uns, wie wohl in 30 Jahren über den NSU geschrieben werden wird.

Vincent Gengnagel und Andreas Kallert haben den NSU schon mehrfach in der freien uni bamberg thematisiert und möchten sich für etwaige Redundanzen schon im Vorfeld entschuldigen. Wie immer freuen sie sich auf die Diskussion.

Ort: Balthasar, Balthasargässchen 1 (zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

fub presents: Do, 3. Juli: SEVI MEIER: Fragend gehen wir voran … Die zapatistische Revolution

Vor 20 Jahren begann im mexikanischen Bundesstaat Chiapas ein hauptsächlich von Indigenen getragener Aufstand, um der vorherrschenden Armut und Aussichtlosigkeit durch autonome Selbstverwaltung entgegenzutreten. Die Ablehnung von Regierungsansprüchen seitens des politischen Arms der Revolution (EZLN) und die praktizierten fortschrittlichen Formen von Demokratie führten dazu, dass sich selbst die sonst so streitsüchtige Linke auf diese Bewegung einigen kann.
Der Vortrag möchte sie vorstellen, ihre theoretischen Anknüpfungspunkte aufzeigen sowie Erfolge und Rückschläge der zapatistischen Praxis erörtern.

Sevi Meier studiert in Bamberg Berufliche Bildung/Sozialpädagogik und stammt selbst aus einer von Aussichtlosigkeit geprägten Region (dem ländlichen Niederbayern). Seit zwei Semestern gehört er der
illustren Gruppe freie uni bamberg an.

Ort: Balthasar, Balthasargässchen 1 (zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

fub presents: Do, 26.6.: ROSWITHA SCHOLZ: Antiziganismus und Arbeitsgesellschaft

Antiziganismus ist ein weit verbreitetes Phänomen. In nahezu allen Staaten Europas werden Menschen als »Zigeuner« diskriminiert und nicht selten verfolgt. In dem Vortrag werden antiziganistische Tendenzen im Kontext neuzeitlicher Disziplinierungsprozesse und der Herausbildung der Arbeitsgesellschaft analysiert. Dabei werden auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum
Antisemitismus aufgezeigt.

Roswitha Scholz ist freie Publizistin und Redakteurin der linken Theoriezeitschrift Exit!, diverse Zeitschriftenpublikationen und Buchveröffentlichungen, darunter »Differenzen der Krise – Krise der Differenzen« (2005) und »Das Geschlecht des Kapitalismus« (2011).

Ort: Balthasar, Balthasargässchen 1 (zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

fub presents: Do, 18.06.: FRITHJOF GRELL: Erziehung zur Freiheit? Die Pädagogik »vom Gesichtspunkt« Rudolf Steiners

Die Pädagogik des Waldorfkindergartens stellt die Erziehungswissenschaft vor große Herausforderungen: Kann es eine »gute« pädagogische Praxis geben, auch wenn die Theorie auf höchst fragwürdigen Annahmen beruht und kaum weniger fragwürdige Ziele verfolgt? Der Vortrag geht dieser Frage nach und kommt zu einem eindeutigen Urteil: Nein! Die Qualität pädagogischer Praxis ist nie nur nach ihren Wirkungen, sondern immer auch vor dem Hintergrund der Motive zu beurteilen, die mit pädagogischem Handeln bezweckt werden. So beurteilen wir die Handlungen von Menschen. Warum also sollte es im Hinblick auf pädagogische Handlungskonzepte und ihre Praxis anders sein?

Prof. Dr. phil. Frithjof Grell ist seit 2008 Inhaber des Lehrstuhls für Elementar- und Familienpädagogik an der Universität Bamberg. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Theorie und Geschichte der frühkindlichen Bildung und Erziehung sowie Professionalisierung und Akademisierung der Erzieherinnenausbildung.

Ort: Balthasar, Balthasargässchen 1 (zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

fub presents: Doppel-Spezial: 5.6. und 6.6.: Philipp Eichhorn und Lucas Zeise: „Soziale Marktwirtschaft als vermeintliches Geheimnis der Erfolgsgeschichte »BRD«“ und „Geld und Finanzkapital“

Donnerstag, 05.06.2014
PHILIPP EICHHORN:
»Mir scheint es wirklich nur eine Frage der Begriffe zu sein, ob man eine freie Marktwirtschaft sozialistisch nennt oder nicht«.
Soziale Marktwirtschaft als vermeintliches Geheimnis der Erfolgsgeschichte »BRD«
Quo vadis, Soziale Marktwirtschaft (SM)? Ihr Wortschöpfer Alfred Müller-Armack schien, zumindest in der Konzeptionsphase, ein eher entspanntes Verhältnis zu diesem inzwischen äußerst populären Begriff zu haben. Spätestens mit der Agenda 2010 entbrannte ein neuer Diskurs um sie, der bis heute geführt wird: Das Ordnungsmodell, welches die BRD wieder in den Olymp der Wirtschaftsmächte führte, das Kapital mit dem Sozialstaat versöhnte und den Menschen auf beiden Seiten der Mauer den Zusammenhang von (sozialer) Marktwirtschaft, Demokratie und Freiheit vor Augen führte, scheint in Gefahr. Besonders allerlei linke Kräfte werfen der Politik vor, die »Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft« pervertiere den Begriff, negiere das Soziale und ersetze die SM durch »Neoliberalismus«. Sahra Wagenknecht wünscht sich gar den »Vater« des Ganzen, Ludwig Erhard, zurück. Um was es den Schöpfer_innen der SM eigentlich ging, wie erfolgreich sie wirklich war und welcher unterschlagene Faktor heute immer mehr zu Tragen kommt, will der Vortrag erläutern.

Philipp Eichhorn hat über das Thema gerade seine DA geschrieben und ist froh, in Zukunft mal wieder theoretische Texte diesseits eines tautologischen Erkenntnisinteresses lesen zu dürfen. Zuletzt hat er in der freien uni über Antikommunismus in der BRD gesprochen.

Freitag, 06.06.2014
LUCAS ZEISE:
Geld und Finanzkapital
Ziel des Vortrages ist es, Stellung und Funktion des Finanzsektors im heutigen Kapitalismus zu bestimmen. Dazu ist eine Charakterisierung des Geldes notwendig, das grundlegend nicht nur allgemeines Äquivalent, sondern auch Kredit ist. Die Geldware ist das, was Marx im Anschluss an andere Autoren »fiktives Kapital« genannt hat. Besser wäre es vielleicht – den Usancen der Terminhändler_innen folgend – von »Kontrakten« zu sprechen, also Verträgen oder Ansprüchen, die nicht auf die Person fixiert, sondern eben geldüblich handelbar sind. Die außerordentliche Macht des Finanzsektors entstammt auch aus seiner – staatlich verliehenen – Fähigkeit, Geld zu schöpfen und Vermögenspreisinflation zu erzeugen. Die fortdauernde Krise der Weltwirtschaft erklärt sich zu einem Großteil aus dem Anspruch auf Zahlung, der vom Überhang der Finanzvermögen ausgeht.

Lucas Zeise ist Finanzjournalist. Er hat Philosophie und Volkswirtschaft studiert und u. a. für das japanische Wirtschaftsministerium, die deutsche Aluminiumindustrie, die Frankfurter Börsen-Zeitung und die Financial Times Deutschland gearbeitet. Seit deren Ableben schreibt er in verschiedenen, vorwiegend linken Publikationen, bevorzugt für die junge welt und die Marxistischen Blätter.

Ort: Balthasar, Balthasargässchen 1 (zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

fub presents: Do. 22.und Fr. 23. Mai: Frank Apunkt Schneider & Gerhard Stamer: „My future in the SS“ & „Marx und Hegel“

Donnerstag, 22.05.2014
FRANK APUNKT SCHNEIDER:
»My future in the SS«
NS-Provokation im deutschen (Post-)Punk

Als im New Yorker Frühpunk erstmals unkommentiert Hakenkreuze und NS-Zeichen auftauchten, war dies vor allem eine innerjüdische Angelegenheit: Jüdische Punks wie die Dictators benutzten sie, um sich mit der eigenen sekundären Traumatisierung als Nachgeborene der Überlebenden auseinanderzusetzen. Als Punk dann wenig später nach Deutschland kam, wurde das provokante Spiel mit dem NS dankbar aufgegriffen. Plötzlich redeten die Kinder und Enkel der Täter_innen in einer verstörend neuen Weise über die Shoa, die Daniel Jonah Goldhagens »Hitlers Willing Executioners« vorwegnahm: Songs wie »Party in der Gaskammer« (Middle Class Fantasies) oder »Die lustigen Stiefel (marschieren über Polen)« (Deutsch Amerikanische Freundschaft) und Gruppen wie Vadder Goebbels und die Nazi-Schlümpfe erzählten von der Shoa erstmals in der Wir-Perspektive und dekonstruierten damit die deutsche Vergangenheitsbewältigung. Dieses scheinaffirmative Spiel war wiederrum eine innerdeutsche Angelgenheit: eine Abrechnung mit den eigenen (Groß-)Eltern, deren Lebenslügen genüsslich demoliert wurden. Und doch standen die deutschen Punks damit noch immer in deren Tradition, weil ihre aggressive Wiederaneignung der deutschen Schuld die Auslöschung der europäischen Jüdinnen und Juden auf einer symbolischen Ebene wiederholte. Wie sich Textzeilen wie »Im KZ war’s doch so nett, nett, nett« (Attraktiv + Preiswert) wohl in den Ohren der Überlebenden anhören mochten, darauf scheinen sie jedenfalls keinen Gedanken verschwendet zu haben.

Frank Apunkt Schneider ist unfreier Künstler, Autor und selbsternannter Poptheoretiker, Mitherausgeber der testcard und Redakteur bei skug, außerdem der deutsche Außenposten der Kulturbewegung monochrom. 2007 hat er im Ventil Verlag das Buch »Als die Welt noch unterging. Von Punk zu NDW« veröffentlicht.
Zuletzt hat er in der freien uni über Karen Carpenter gesprochen.

Freitag, 23.05.2014
GERHARD STAMER
Marx und Hegel
Alles falsch gestellte Fragen: Ob Marx Hegel auf die Füße gestellt hat oder ob Hegel wirklich auf dem Kopf stand. Wenn schon – um beim Metaphorischen zu bleiben – hat Marx Hegel nicht auf die Füße gestellt, sondern flachgelegt. Weder ist der Mensch bei Marx so richtig auf die Beine der Lebenswelt gekommen, noch hat er den Kopf oben behalten, wie es für den aufrechten Gang erforderlich wäre. Wir wollen uns – zumindest in diesem Vortrag – weder auf die Seite von Marx noch auf die von Hegel schlagen, sondern über beide hinausgehen, um nicht hinter sie zurückzufallen.

Dr. Gerhard Stamer studierte in den 1960ern Philosophie, Psychologie und Soziologie, unter anderem bei Theodor W. Adorno und Jürgen Habermas. Nachdem er in den 1970ern zunächst als Schiffbauer bei Blohm & Voß in Hamburg gearbeitet hatte, promovierte er 1984 bei Oskar Negt zum Thema Erkenntniskritik und Arbeiter_innenbewegung. 1994 gründete er das außeruniversitäre Institut für Praktische Philosophie »REFLEX« in Hannover, das er seither leitet. Seit 2011 gibt er am Lehrstuhl für Philosophie in Bamberg Seminare u. a. zu Kant, Hegel, Marx und Husserl.

Ort: Balthasar, Balthasargässchen 1 (zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

fub presents: Do, 15.05.2014: KARINA KORECKY: Der poststrukturalistische Feminismus und die uneigentliche Erfahrung. Versuch einer feministischen Kritik an Judith Butler


Judith Butlers »Gender Trouble« (dt.: »Das Unbehagen der Geschlechter«) ist das am häufigsten rezipierte feministische Werk der Gegenwart. Der Vortrag wirft einen kritischen Blick auf Butlers poststrukturalistischen Feminismus. Obwohl Butler seit geraumer Zeit hauptsächlich als Antizionistin wahrgenommen wird (wozu sie selbst nicht wenig beiträgt), wird es weniger um ihre weltpolitischen und moralisch-ethischen Statements gehen, als um ihre theoretischen Grundannahmen sowie die gesellschaftlich-historischen Bedingungen ihrer Bedeutung für die feministische Kritik: Was macht den poststrukturalistischen Feminismus fast konkurrenzlos erfolgreich? Dabei werden nicht bloß Irrtümer, logische Fehlschlüsse und richtige oder falsche theoretische Bezüge identifiziert, sondern es wird auch nach dem »Erfahrungsgehalt dieses Denkens« (Peter Bürger) gefragt – oder anders: danach, welchem gesellschaftlichen Bedürfnis es entspricht. Es wird herausgearbeitet, dass die Attraktivität des poststrukturalistischen Denkens für den Feminismus in dessen Infragestellung von Wahrheit, Subjekt, Tradition, Geschichte und Einheit liegt. In diesem Impuls trifft sich der Poststrukturalismus mit einem zentralen Moment feministischer Gesellschaftskritik: der Kritik daran, dass die patriarchale Souveränität des strahlenden Subjekts voraussetzungsreich auf Kosten der Frauen konstituiert ist. Wie gezeigt werden soll, ist dem Poststrukturalismus aus feministischer Perspektive daher nicht sein Verzicht auf die Konstatierung von Wahrheit, sondern von gesellschaftlicher Unwahrheit vorzuwerfen.

Karina Korecky promoviert an der Universität Hamburg zum Verhältnis von Staat und Natur. Sie publiziert außerdem zu feministischer Kritik und veröffentlicht 2014 »Rousseau, die Liebe und der Staat« im Schweizer Verlag Die Brotsuppe.

Dieser Vortrag findet mit freundlicher Unterstützung des Lehrstuhls Sozialpädagogik statt.

Ort: Balthasar, Balthasargässchen 1 (zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

fub presents: Do 24. April JO­HAN­NA SCHMIDT: Psy­cho­ana­ly­se und Ge­sell­schafts­kri­tik. Eine kri­ti­sche Ein­füh­rung in die Psy­cho­ana­ly­se

Die Ein­wän­de gegen die Psy­cho­ana­ly­se – die meist schon vorab als wi­der­leg­te oder gar lä­cher­li­che Theo­rie ab­ge­tan wird – sind viel­fäl­tig: Sie steht in der Kri­tik, de­ter­mi­nis­tisch, in­di­vi­dua­lis­tisch und an­ti-​fe­mi­nis­tisch zu sein. Ihr wird vor­ge­wor­fen, den Men­schen als not­wen­di­ges Pro­dukt sei­ner Kind­heits­ent­wick­lung zu ver­ste­hen und ge­sell­schaft­li­che Ein­flüs­se auf das In­di­vi­du­um nicht hin­rei­chend ein­zu­be­zie­hen. So­zia­le Phä­no­me­ne lie­ßen sich damit nicht er­klä­ren. Au­ßer­dem kon­zen­trie­re sich die psy­cho­ana­ly­ti­sche Theo­rie auf das Männ­li­che und recht­fer­ti­ge eine In­fe­rio­ri­sie­rung von Weib­lich­keit.
Im Vor­trag sol­len – nach einer kur­zen Er­läu­te­rung psy­cho­ana­ly­ti­scher Grund­an­nah­men – sol­che Mei­nun­gen und Ein­wän­de auf ihre Rich­tig­keit über­prüft und der Frage nach­ge­gan­gen wer­den, in­wie­weit psy­cho­ana­ly­ti­sche Theo­rie für eine Ideo­lo­gie­kri­tik der mo­der­nen Ge­sell­schaft frucht­bar ge­macht wer­den kann.

Jo­han­na Schmidt lebt und stu­diert in Er­lan­gen. Theo­re­tisch steht sie der wert-​ab­spal­tungs-​kri­ti­schen Zeit­schrift EXIT! nahe. Ihre Ar­beits­schwer­punk­te sind fe­mi­nis­ti­sche Kri­tik und Psy­cho­ana­ly­se. Seit 2009 or­ga­ni­siert sie im selbst­ver­wal­te­ten Ju­gend-​ und Kul­tur­zen­trum Er­lan­gen ge­sell­schafts­kri­ti­sche Vor­trä­ge und seit 2011 an der Uni Er­lan­gen Au­to­no­me Se­mi­na­re zu fe­mi­nis­ti­scher Kri­tik, An­ti­se­mi­tis­mus sowie zur Psy­cho­ana­ly­se.

Ort: Bal­tha­sar, Bal­tha­s­ar­gäss­chen 1 (zwi­schen Schran­ne und Kaul­berg)
Be­ginn: 20:00
Ein­tritt: frei

fub presents: Donnerstag, 17.4.: FABIAN HERBOLZHEIMER: Konsequente Demokraten statt schießwütiger Idioten. Das US-Amerikanische Waffenrecht

Selten sind sich in Deutschland bürgerliche Medien und Einzelpersonen, geschweige denn die, die sich links davon definieren, derart einig, wie bei der Kritik des US-amerikanischen Waffenrechts. Dabei verkennen sie, dass ihre Argumente oft in eklatantem Widerspruch zu ihren sonstigen politischen Konzepten stehen. Die einen imaginieren sich ein vor staatlichen Zugriffen geschütztes Individuum, sind aber nicht bereit, diesem zur tatsächlichen Verteidigung seiner Freihe
itsrechte mehr als das schwammige Widerstandsrecht nach Art. 21 Abs. 4 GG zu gewähren. Die anderen träumen von der Revolution und unterstützen, je nach Couleur, diese oder jene Miliz bzw. Guerilla, sehnen sich dann aber doch wieder nach dem sonst so verhassten staatlichen Gewaltmonopol. Der Vortrag versucht, das liberale Recht auf privaten Waffenbesitz in einen historischen und philosophischen Kontext einzubetten und hierbei die angesprochenen Widersprüche zu verdeutlichen. Abschließend sollen kritische Punkte des liberalen Waffenrechts erörtert werden, ohne dabei in die geläufigen Muster herablassender europäischer Betrachtung zu verfallen.

Fabian Herbolzheimer ist in Bamberg geboren und aufgewachsen, erfuhr hier die Anfänge seiner politischen Sozialisation und studiert zurzeit in Leipzig Soziologie und Kulturwissenschaften.

Ort: Balthasar, Balthasargässchen 1 (zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei